Geisterglaube in Thailand

Geisterglaube-Cover

"Ich sehe tote Menschen... sie sind überall..."

So ergeht es zumindest dem kleinen Cole aus "The Sixth Sense". Ich selbst ... ich kann natürlich keine Geister sehen (...zum Glück).
 
Wie ich aber darauf komme?
 
Am Wochenende habe ich nach langer, langer, sehr langer Zeit zum ersten Mal wieder einen typischen Mädelsabend gemacht. 
 
So richtig mit Haarkur, flauschigen Kuschelsöckchen, einer heißen Schocki, kuscheliger Bettwäsche und dem Film The Sixth Sense - ja, ich bin aktuell wieder zurück in good old Germany.
 
Kurz darauf habe ich mir Gedanken über meinen nächsten Artikel gemacht. Ziemlich naheliegend da auf Geistergeschichten zu kommen, oder?
 
Und da ich vor kurzem gerade in Thailand war und der Geisterglaube in Thailand allgegenwärtig ist, hat das richtig super gepasst.
 

Geisterglaube in Thailand

Ja du hast richtig gelesen. Geisterglaube
 
Der Geisterglaube in Thailand ist ziemlich weit verbreitet, wer schon mal da war, kam sicherlich nicht umhin das zu bemerken. 
 
Für Thailänder jeder Gesellschaftsschicht gehört der Glaube an Geister zum Alltag von klein auf dazu. 
 
Auffälligstes Anzeichen hierfür - und das, was jedem Tourist und Backpacker wahrscheinlich als erstes ins Auge sticht - sind kleine Geisterhäuschen die vor nahezu jedem Wohnhaus, Hotel und vor öffentlichen Einrichtung stehen.
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Das bedeutet nicht, dass jeder Thai daran glaubt. Das ist wahrscheinlich vergleichbar mit Christen in Deutschland. Nur weil viele Menschen konfirmierte Christen sind, glauben sie noch lange nicht alle an Jesus und gehen brav sonntags zur Kirche. Dennoch ist der Geisterglaube in Thailand wichtiger Bestandteil des Lebens dort und wird selbst vom König zum Beispiel in Krisensituationen öffentlich praktiziert.
 
Geister, so sagt man, leben überall, in Bäumen, Flüssen, Seen und Höhlen. 
 
Es gibt viele verschiedene Arten von Geistern. So wird bspw. von Khwan dem persönlichen Schutzgeist, Phi Pha dem Geist des Waldes, Phi Ton Mai dem Baumgeist oder Chao Thi dem Erdgeist gesprochen. 
 
Des Weiteren gibt es gute Geister, denen nachgesagt wird, dass sie die Familie beschützen und auch unzählige böse Geister, die es zu vertreiben und zu beschwichtigen gilt. 
 
Aber zurück zu den Geisterhäuschen.
 
 

Erdgeist und Geisterhäuschen

Der Glaube besagt, dass Chao Thi (Erdgeister) die Erde bewohnen. 
 
Wenn nun ein neues Haus auf einem Grundstück errichtet und die dort wohnenden Geister somit von ihrer eigentlichen Heimat vertrieben werden, müssen sie für den Verlust entschädigt und beschwichtigt werden.
 
Als Entschädigung hierfür wird ein kleines Häuschen als neue Heimat auf dem selben Grundstück errichtet. 
 
Das Geisterhäuschen (San Phra Phum).
 
Die Geister werden in einer speziellen Zeremonie dazu eingeladen ihr neues Zuhause zu beziehen.
 
Das Einweihungsdatum sowie der Standort des Geisterhäuschens werden von einem Priester oder Brahmanen (astrologisch) bestimmt. Dieser führt auch die Zeremonie durch und bittet den Geist umzuziehen.
 
Jetzt fragst du dich wahrscheinlich, warum Thais diesen ganzen Aufwand betreiben, nur um irgendwelche Erdgeister zu beschwichtigen, richtig?
 
Der Glaube, dass Geister das Leben positiv aber auch negativ beeinflussen können, ist bei vielen Thais fest verankert. 
 
Die Geister können die Bewohner eines Hauses beschützen und ihnen Glück bringen. Wenn der Geist jedoch nicht gut gestimmt ist, kann er genauso auch für Unglück und Leid sorgen.
 
Es gilt also den Geist in seinem Häuschen bei guter Laune zu halten 😉 !
 
 

Wie mache ich meinen Geist glücklich?

  • Grundregel Nummer 1 ohne deren Beachtung der Geist vermutlich gar nicht erst in den Umzug einwilligen würde: Das Geisterhäuschen darf nicht im Schatten des Hauses stehen.

 

  • Wie schon erwähnt: Der Geist wird vom Priester in einer Zeremonie an einem astrologisch gut gewählten Datum dazu aufgefordert sein Häuschen zu beziehen.

 

  • Das Häuschen wird mit Blumengirlanden, Kränzen und bunten Bändern geschmückt - soll ja schließlich ein schönes Zuhause werden.

 

  • Im Geisterhäuschen werden meist kleine Figuren aufgestellt die als Bedienstete oder Tänzer fungieren. So soll sichergestellt werden, dass der Geist ein angenehmes Leben führt und gut unterhalten wird. Manche der kleinen Figuren sollen auch verstorbene Familienmitglieder darstellen. Oft werden sogar kleine Tiere wie bspw. Elefantenfiguren aufgestellt.

 

  • Für den Geist werden regelmäßig Opfergaben bereitgestellt.

    Man sieht dann kleine Behälter mit Wasser oder anderen Erfrischungsgetränken (z.B.Limonade) vor den Häuschen stehen. Zu bestimmten Anlässen gibt es auch mal Reiswein oder Schnaps.

    Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Kleine Schälchen mit Obst oder anderen Gaben werden regelmäßig am Häuschen platziert. Ob die Thais wohl wissen, wer die Apfelstückchen wirklich isst? 😉

     

     

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  • Oft wirst du sehen, dass Räucherstäbchen angezündet und das Haus mit Blumen geschmückt wird. Manche verzieren ihre Häuschen sogar mit blinkenden Lichterketten.

Geister um Hilfe bitten

Ich habe immer wieder mal gehört, dass Thais ihre Geister auch um Hilfe, Schutz und die Erfüllung ihrer Wünsche bitten. Da viele Thailänder fest daran glauben, dass Geister aktiv Einfluss auf das tägliche Leben nehmen können, ist das auch recht naheliegend. Als Dank bei Erfüllung ihres Wunsches wird dem Geist ein kleines Geschenk als Gegenleistung versprochen. Um den Geist nicht zu erzürnen, sollte man das natürlich auch einhalten.
 
Geister um Hilfe bitten

 

Das Geisterhäuschen

Die Geisterhäuschen sehen sich alle recht ähnlich. Es gibt sie in verschiedenen Größen und Farben. Bei unserem letzten Trip durch Thailand, haben wir etwas außerhalb immer wieder Orte gefunden, wo Geisterhäuschen in allen Größen und verschiedenen Farben verkauft werden. Am häufigsten sieht man solche Geisterhäuschen vor den Häusern stehen, wie sie auf dem Bild abgebildet sind, es gibt sie aber auch aus Holz geschnitzt und verziert.

 
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Eine Art Geisterhäuschen-Friedhof gibt es auch. Hier werden die Häuschen entsorgt, wenn sie nicht mehr gebraucht oder durch ein Neues ersetzt werden. Bietet man dem Geist keine neue Unterkunft und/oder reißt sein Häuschen einfach ohne Vorwarnung und Zustimmung ab, erzürnt man den Geist und Unglück ist vorprogrammiert. 
 
Friedhof der Geisterhäuschen
 
Ganz allgemein glauben die Thais fest daran, dass wenn man einen Geist erzürnt oder nicht gut behandelt, Unglück geschieht.
Hierzu gibt es eine kleine Geschichte:
 
Vor ungefähr 60 Jahren wurde in Thailand das Erawan Hotel gebaut. Es gab ungewöhnlich viele tödliche Unfälle beim Bau und sogar ein Schiff, das Marmor für das Hotel liefern sollte, sank auf unerklärliche Weise. Man führte das darauf zurück, dass der Erdgeist dort verstimmt sein musste. Der Grundstein für das Hotel wurde an einem astrologisch nicht verheißungsvollen Tag gelegt und es gab keine Unterkunft für die dort lebenden Geister. Die Arbeiter weigerten sich daraufhin an der Baustelle weiter zu arbeiten. Man baute so schnell wie möglich einen prächtigen Schrein, der dem hinduistischen Gott Brahma geweiht wurde. Zusätzlich gab es ein Geisterhäuschen als neues Zuhause. Man bot dem Geist festliche Girlanden und viel zu Essen und zu Trinken. Er schien zufrieden zu sein, denn es gab keinen einzigen weiteren Unfall mehr. 
 
Auch heute noch pilgern viele Menschen aus aller Welt tagtäglich zum Erawan Schrein um die Erfüllung ihrer Wünsche zu erbitten.
 

Was es sonst noch so über den Geisterglauben zu wissen gibt

 
  • Der persönliche Schutzgeist (Khwan) befindet sich im Kopf einer Person. Oft liest man in Büchern dass der Kopf heilig ist, in ihm die Seele sitzt und deshalb nicht berührt oder überstiegen werden soll. Manche Thais glauben, dass der Schutzgeist so erzürnt oder beschädigt werden könnte.

 

  • Viele thailändische Familien verehren ihren Hausgeist (Phi Ruan) an einem Hausalter und bringen ihm regelmäßig Opfergaben. Hausgeister sind verstorbene Familienmitglieder und ihr Einfluss auf das Leben beschränkt sich auf die Bewohner des Hauses.

 

  • Neben Haus- und Erdgeistern gibt es auch Geister, die überregionalen Einfluss auf das Leben der Menschen haben. Manche Geister leben an besonderen Orten wie bspw. in einer Buddha Statue. Diesen Geistern wird besonders große Macht zugesprochen und sie werden oft um Schutz und Glück gebeten.

 

  • Oft sind thailändische Schiffe am Bug mit Blumengirlanden geschmückt, somit werden die Wassergeister geehrt.
     
  • Hier und da wirst du in Thailand bunt mit Tüchern umwickelte Bäume sehen. An manchen ist zusätzlich ein kleines Häuschen angebracht, manchmal stehen auch nur ein paar Opfergaben vor dem Baum. Hier wohnt ein Baumgeist (Phi Ton Mai).

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  • Ein sehr mächtiger (vielleicht sogar der mächtigste) Geist ist der einer schwangeren verstorbenen Frau (Phi Tai Hong Tong Klom). Der Geist ist deshalb so mächtig, weil er aus zwei Leben entstanden ist.

 

  • Neben den guten Geistern die einen beschützen und Wünsche erfüllen können, gibt es auch noch böse Geister. Böse Geister haben keinen festen Wohnsitz. Sie wandeln durch die Gegend und suchen sich ihre Opfer. 

    Die meisten bösen Geister kommen in der Natur vor. Oft wenn ein Dorf oder eine Familie krank wird oder es andere Probleme gibt, wird vermutet, böse Geister treiben ihr Unwesen. In einer Zeremonie wird dann versucht den bösen Geist aus dem Dorf zu vertreiben.

 

  • Amulette und Yantra Tätowierungen schützen vor bösen Geistern. Viele männliche Thais tragen eine von einem Mönch gestochene Tätowierung zu ihrem Schutz. 

 

  • Diejenigen, die an Geister glauben, sprechen teilweise gar nicht oder nur ungern darüber, da sie Angst haben, dass das die bösen Geister anlocken und Unglück bringen könnte.

 

  • Der Glaube an Geister scheint insbesondere auf dem Land, in Dörfern und im Nordosten von Thailand verbreitet zu sein. 

 

  • Damit nicht noch mehr Geister entstehen, werden die Toten verbrannt.
 
Aber...

Was bedeutet das für mich als Farang denn jetzt in der Praxis?

 
  • Du solltest - wenn du bei Thais nach Hause eingeladen wirst - nicht auf die Türschwelle treten. Hier wohnt der Hausgeist.

 

  • Spreche niemals schlecht über Geister (du könntest sie erzürnen). Du solltest übrigens auch nie negativ über den König oder seine Familie sprechen oder in irgendeiner Weise Kritik am Königshaus üben.

 

  • Ich habe schon manches Mal gelesen, dass man den Geist eines Geisterhäuschens um Erlaubnis fragen soll, bevor man sein Zuhause fotografiert. Irgendwann kommst du dir dabei ein wenig "komisch" vor 😉 ich habe das zu 90% nicht gemacht - mir ist nie etwas passiert. Aber vielleicht glaubst du ja an den Zorn der Geister..
 
Mit Buddhismus hat der Geisterglaube übrigens rein gar nichts zu tun. Der Buddhismus beschäftigt sich mit dem Leben nach dem Tod, der Animismus (Geisterglaube) beschäftigt sich mit dem Einfluss der Geister auf das tägliche Leben. Der Glaube an Geister wird vom Buddhismus allerdings soweit ich weiß toleriert und steht in keinerlei Widerspruch dazu.

Weiterführende Links zum Thema Geisterglaube in Thailand

Thaiamulett - Hier findest du eine ausführliche Beschreibung zu verschiedenen Geistern wie z.B. dem Erdgeist, Schutzgeist, Waldgeist oder Baumgeist.

Songkran - Ein Artikel über Buddhismus und Geisterglaube in Thailand sowie Rituale und Weltanschauung.

 

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Hast du selbst Erfahrungen mit dem Geisterglauben in Thailand gemacht?

Oder fällt dir irgendetwas ein, was ich im Artikel noch nicht erwähnt habe?

Rein damit in die Kommentare 😉

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